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Prävention zum Schutz vor sexualisierte Gewalt (BKiSchG)

Für ehren- und nebenamtliche tätige Personen im Verein/Verband gibt es mit dem 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) einige Auflagen der Prävention (und Invention). An dieser Stelle können wir keinen abschließenden Überblick geben, sondern die folgenden Ausführungen sollen als Erstorientierung dienen.

Die wichtigste Regelung ist § 72a Sozialgesetzbuch - Achtes Buch (SGB VIII), die den Tätigkeitsausschluss einschlägig Vorbestrafter in der Kinder- und Jugendhilfe erfasst. Die Umsetzung vor Ort ist in jeder Gemeinde zeitlich unterschiedlich vorangeschritten und auch der Umfang ist auch nicht einheitlich, obwohl das Gesetz hier auch klare Vorgaben gibt.

Wir schlagen unseren Vereinen und Bezirken innerhalb der Akkordeonjugend Baden-Württemberg vor, sich umfassend Informationen und Beratung bei unserer Jugendbildungsreferentin Claudia Daferner abzurufen. Sie ist ferner geschulte Ansprechperson im Verdachts-/Interventionsfall.

1.) Handlungsschritte in der Prävention

Schritt 1: Abschluss einer Vereinbarung nach § 72a SGB VIII

Das örtlich/sachlich zuständige Jugendamt schließt mit einem freiem Träger der Jugendhilfe bzw. einem in der Jugendarbeit tätigen Verein eine Vereinbarung in Anwendung des § 72a SGB VIII ab.

Vorab zu klären:

  • welche Tätigkeiten (einzelne Aktivitäten) gibt es im Verein/Verband?
  • für welche dieser Tätigkeiten des Vereins/Verbands wird ein erweitertes Führungszeugnis (erw Fzg) benötigt?

Überprüfen der einzelnen Tätigkeiten mit Hilfe eines Prüfungsschemas (Landesjugendring NRW) möglich, ob nach „Art, Intensität und Dauer des Kontakt“ bei der betreffenden Tätigkeit es ein erw Fzg erforderlich ist. Diese Tätigkeiten werden i. d. R. in Form eines Tätigkeitenkatalog der Vereinbarung angehängt.

Hier steht eine Mustervereinbarung als Word-Dokument bereit.

Schritt 2: Erweitertes Führungszeugnis einfordern

Nach Feststellung der Tätigkeiten, die die Einsichtnahme in ein erweitertes Führungszeugnis erfordern, bittet Ihr die entsprechenden ehren- oder nebenamtlich tätigen Personen, dieses bei der zuständigen Meldebehörde (Bürgerbüro) zu beantragen.

Hier steht ein Musterbrief an musikalische Ausbilder*innen als Word-Dokument bereit.

Hier steht ein Musterbrief an Ehrenamtliche als Word-Dokument bereit.

Der Verein/Verband muss schriftlich die ehrenamtliche Tätigkeit bestätigen, damit das erweiterte Führungszeugnis gebührenfrei ausgestellt werden kann. Hierzu dient das Word-Dokument „Bescheinigung_Geb.befreiung“.

Schritt 3: Einsicht in das erw Fzg und Dokumentation

Nachdem die ehren- oder nebenamtlich tätige Person das erweiterte Führungszeugnis erhalten hat, legt diese beim Verein/Verband (wer? Person bestimmen) das erweiterte Führungszeugnis (erw Fzg) zur Einsichtnahme vor.

Die Einsichtnahme in das Führungszeugnis ist von Ihnen entsprechend zu dokumentieren. Hierzu gibt es ein Muster „Dokumentationsblatt“.

Hinweis: Es darf nicht einbehalten werden, sondern muss im Besitz der ehrenamtlichen Person bleiben.

Folgendes muss bei der Dokumentation beachtet werden:

  • Das erweiterte Führungszeugnis darf bei der Einsichtnahme nicht älter als drei Monate sein.
  • Spätestens nach fünf Jahren ist ein aktuelles erweitertes Führungszeugnis vorzulegen.
  • Nach Beendigung einer entsprechenden Tätigkeit sind die Daten spätestens nach drei Monaten aus der Dokumentation zu löschen.

Schritt 4 bzw wenn es schnell gehen muss: die Selbsterklärung

Es ist möglich, dass sich Tätigkeiten in der Kinder- und Jugendarbeit spontan und kurzfristig ergeben. Da die Beantragung eines erweiterten Führungszeugnisses in der Regel einige Wochen dauern kann, sollte im Vorfeld der Maßnahme zumindest eine Selbsterklärung („erw Fzg light“) von der ehren- oder nebenamtlichen Person abgegeben werden. Möglich ist auch eine (weitergehende) Selbstverpflichtungserklärung.

Die Selbsterklärung soll ersatzweise für das erweiterte Führungszeugnis genutzt werden, wenn die betreffende Person nicht mehr rechtzeitig vor Ihrem Einsatz in der Jugendarbeit das erw Fzg zur Einsicht vorlegen kann. Aktuell empfehlen wir zwei Varianten:<7p>

Erklärung 1 (erw Fzg „light“) entspricht dem potentiellen Inhalt eines erw Fzg; siehe Word-Dokument.

Erklärung 2 (erw Fzg „lightPLUS“) geht über die Information, die aus einem erw. Fzg. gelesen kann, hinaus, d. h. der Unterzeichner verpflichtet sich zusätzlich, den Verein/Verband über Ermittlungsverfahren zu informieren; siehe Word-Dokument.

Selbstverpflichtungserklärung: In der Jugendarbeit gibt es von Jugendamtsseite als auch von den einzelnen Jugendverbänden unterschiedlichste Mustertexte. Die Selbstverpflichtungserklärung ist Baustein eines Schutzkonzepts (zur Prävention UND Intervention) und sollte zum Verein passend verfasst werden! Hier haben wir ein Beispiel als Word-Dokument.

Schritt 5: vereinseigenes Schutzkonzept zur Prävention (und Intervention)

Das erweiterte Führungszeugnis ist nur ein Teil eines umfassenden und Schutzkonzeptes. Die Neuregelung des § 72a SGB VIII soll als Anstoß zu einem neuen Verständnis von präventivem (= vorbeugenden) Kinder- und Jugendschutz verstanden werden.

Aufgabe eines Vereins ist nämlich nach § 1 Abs. 3 Nr. 3 BKiSchG: - im Einzelfall eine Gefährdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen zu vermeiden (= Prävention) - falls diese im Einzelfall nicht mehr möglich ist, eine weitere Gefährdung bzw. Schädigung abwenden (= Intervention: Beseitigung der Gewaltsituation)

Deshalb sollten jeder Verein durch ein umfassendes Schutzkonzept dieser Aufgabe nachkommen. Falls sich euer Verein durch die Vereinbarung mit dem Jugendamt zum Erstellen eines Schutzkonzeptes verpflichtet hat, solltet ihr schnellstmöglich klären, bis wann ihr dieser Verpflichtung nachkommen sollt.

Informationen/Beratung und auch die Möglichkeit eines Schulungsangebots zum Erstellen eines Schutzkonzeptes könnt Ihr bei unserer geschulten Ansprechperson Claudia Daferner (Bezirk Karlsruhe) erfragen.

2.) Handlungsschritte in der Intervention

Zum klaren Verständnis und zur Transparenz sollte ein Verein mittels schritlichem Schutzkonzepts alle Aktiven im Verein informieren; hilfsweise durch verbindlichem Beschluss (im Vorstand, oder in der Mitgliederversammlung) verschiedene Handlungsschritte festlegen und diese nach außen kommunizieren.

Schritt 1: Kontaktstellen / Ansprechpersonen nennen

Einer Einzelperson, die im Verdachtsfall von Taten sexualisierter Gewalt im Verein bzw. bei einer konkreten Gewalttat diese im Verein melden möchte, muss die Kontaktdaten von Ansprechpersonen, die sich als Vertrauensperson verhält, kennen.

Bei der Akkordeonjugend Baden-Württemberg gibt es dafür zwei Ansprechpersonen:

  • n.n.
  • n.n.

Externe Beratung/Hilfe können Einzelpersonen auch bei den einschlägigen Beratungsstellen oder Schutzvereinen erfragen. Wir sind bei der Suche einer Kontaktperson behilflich.

Das "Hilfetelefon Sexueller Missbrauch" ist die bundesweite, kostenfreie und anonyme Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt, für Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, für Fachkräfte und für alle Interessierten: Telefonnummer 0800-22 55 530

Schritt 2: Dokumentation der (anonymen) Meldung

Die Ansprechperson dokumentiert nach dem Handlungsleitfaden des Vereins/Verbands den kommunizierten Sachverhalt. Aus dem Handlungsleitfaden/Interventionskonzepts ergeben sich auch die nächsten Handlungsabläufe. 

Benötigt ihr Unterstützung beim Erstellen eines Interventionskonzepts, dann meldet euch bei uns.

3.) AJBW-Service "Einsicht in das erweiterte Führungszeugnis"

Möchte

1. ein Verein in Einzelfällen nicht selbst bei einer Person die Einsichtnahme ins erweiterte Führungszeugnis vornehmen, oder
2. die betreffende Person das erweiterte Führungszeugnis nicht dem Verantwortlichen seines Vereins zur Einsichtnahme vorlegen,

bietet die AJBW an, diese Handlung durchzuführen und eine Bestätigung auszustellen.
Für weitere Infos dazu kontaktieren Sie unseren Landesjugendleiter.